Sind Voicemail und Sprachnachrichten tödlich inneffektiv?

Michael Arrington schreibt auf Techcrunch in Think Before You Voicemail den Tod von Anrufbeantwortern und Voicemail herbei ... frei nach dem Motto: "Schreiben Sie mir eine Mail wenn Sie mich nicht telefonisch erreichen, meine Sprachnachrichten höre ich nur sporadisch und ungern ab." Aber trifft das die Realität?

Klar, jeder kennt die Probleme: Um den Anrufbeantworter oder die Voicemail abzurufen, muss man sich durch irgendwelche Menüs hangeln, sich # - 5 - 8 - 6 - 6 - 6 - 1 - * merken, dann ist die Nachricht kaum verständlich, man soll eine Nummer zurückrufen, die man so schnell gar nicht notieren kann ... und überhaupt schreibt dieser blöde Stift wieder nicht. Und außerdem, warum kann der Typ nicht einfach eine E-Mail schreiben?

Also als Anrufbeantworterspruch: "Sorry, ich bin nicht erreichtbar. Vergessen Sie es, eine Nachricht zu hinterlassen, wenn Sie ein echtes Anliegen haben. Schreiben Sie mir stattdessen eine Mail an ..."

Scheint ja auch praktisch: Ich kann Mails schneller lesen und bearbeiten, als ich Sprachnachrichten abhören kann (sofern ich mich daran erinnere, wie es geht). Wenn ich Mails bearbeite, habe ich zudem gleich alle meine Unterlagen parat. Und so trickse ich dann gleich auch noch die leidigen Telefonspammer und Anrufe von Sprachcomputern aus.

Dummerweise ist es aber nicht so einfach. Das erste Problem: Nicht jeder, der mich anruft, hat auch meine E-Mail-Adresse. Und selbst wenn ich sie mit aufspreche, werden sich diese nicht alle fehlerfrei merken. Während ich mir eine Sprachnachricht wenigstens noch mehrmals vorspielen lassen kann, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder es zu schnell ging, hat der Anrufer bei der Ansage nur eine Chance - oder er muss erneut anrufen, um sie noch einmal zu hören.

Viel gravierender aber ist, dass ich mein Gegenüber so zum Medienbruch zwinge: Während ich Mails ein wenig schneller bearbeiten kann, muss der Anrufer mühsam zu seinem Mailprogramm wechseln, evtl. erst seinen Computer hochfahren, um dann die Nachricht "Ruf mich mal zurück. Peter" an die richtige Mailadresse zu versenden. Scheint in der Summe des Vorgangs nicht besonders effizient, oder?

Und was ist mit Leuten, die von unterwegs anrufen? Klar, es gibt die Möglichkeit, SMS (teuer) oder E-Mail (kompliziert) auch von vielen Handys zu versenden. Aber wird das in so einem Fall wirklich jemand machen? Und es soll ja auch noch Teile der Bevölkerung geben, die Internet und E-Mail gar nicht nutzen ... was ist mit denen?

Voicemail scheint demnach doch nicht ganz so tot zu sein, wie Michael Arrington suggeriert. In manchen Kreisen übernehmen E-Mail, IM usw. langsam Teile der Funktion des Anrufbeantworters - aber längst nicht überall. Mein Telefonsystem sendet mir eingehende Sprachnachrichten und Faxe eh per E-Mail zu. Gut, die Sprachnachrichten sind noch Audio-Dateien, aber an Speech-to-Text-Lösungen für dieses Szenario wird schon eifrig gearbeitet.



Von ms am 06.07.2008, 13:57, in eDings live
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