Surfen ohne Browser? Oder: Wie Statistiken zu Nachrichten werden…
Wie sich Nachrichten verbreiten... Aus dem ARD-Videotext von heute:"Immer mehr surfen ohne BrowserDas lässt doch aufhorchen! Tatsächlich findet sich bei ZDNet die entsprechende Meldung vom 2.1.2004: "Neue Studie belegt, dass auf das Internet zumeist per Instant Messaging oder mit Media Player zugegriffen wird [...] Das www hat das Internet popular gemacht – mittlerweile greifen Nutzer aber überwiegend ohne Browser auf das Netz zu." Leider: Nach einer Quellenangabe sucht man vergeblich. Dafür findet man dort zumindest lustige User-Kommentare, die die Ergebnisse dann doch arg anzweifeln.
Internet-User greifen inzwischen überwiegend ohne Browser auf das Netz zu. Das berichtet ZDNet.de.
Laut einer Untersuchung von Nielsen/Netratings aus dem Dezember kommen die Nicht-Browser-basierten Zugriffe schon auf 76 Prozent.
Die beliebteste Zugriffsmethode innerhalb dieser 76 Prozent stellt danach der Windows Media Player mit 34 Prozent dar. Der AOL Instant Messenger bringt es auf 20,27 Prozent, das Konkurrenzprodukt von Real Networks auf 19,76 Prozent und das von Microsoft auf 19,31 Prozent."
Ein Blick auf Nielsen//Netratings fördert dann aber tatsächlich eine Meldung vom 29.12. (PDF, 3 Seiten) zutage, aus der sich diese Zahlen herauslesen lassen. Nur: Dass die User ohne Browser surfen, das steht da nirgends. Wie die Zahlen zustande kommen, ist leider auch hier nicht wirklich erkennbar. Klar: Wenn man die übertragenen Datenmengen betrachtet, dann bekommen Streaming- und Filesharing-Anwendungen natürlich ein enormes Gewicht. Und auch, wenn man die Nutzungsdauer zugrunde legt: Wenn man Internet-Radio lauscht oder im IM chattet, dann vergeht die Zeit deutlich schneller, als wenn man einfache Webseiten betrachtet. Im Idealfall findet man beim Surfen die gesuchte Information auch sehr schnell, während es bei anderen Internet-Applikationen gar nicht um ein gezieltes "Finden" geht. Also werden offenbar Äpfel mit Birnen verglichen und es gibt gar keine Hinweise darauf, dass irgendwer ohne Browser surft - geschweige denn, dass Webbrowser an Bedeutung verlieren würden.
Aber das alles ist ein schönes Beispiel dafür, wie Statistiken zu Nachrichten werden, um dann einfach stumpf von einer Quelle zur nächsten übernommen zu werden. Inhalte zu überprüfen oder gar in Zweifel zu ziehen ist immer seltener üblich. Schade eigentlich. Denn wir werden tagtäglich Opfer solcher Informationsverschmutzung. Nur ist es häufig nicht so leicht, das zu merken!
Von eD, das kleine eDings am 06.01.2004, 14:33, in eDings live
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