Ein eDings-Beitrag von Markus Stolpmann

Erfolg im E-Business: USAi

Wer kennt schon USAi? Oder Barry Diller? Und was haben die mit E-Business zu tun? Erfolg im Online-Business geht häufig unbemerkt vonstatten und so hat sich rund um ein paar Homeshopping-Sender ein sehr erfolgreicher, aber fast unbekannter Medien- und Online-Riese gebildet.
Barry Diller wird gerne als Hollywood-Mogul bezeichnet und war Chef von Paramount, 20thCentury Fox, Universal und zuletzt Vivendi Universal Entertainment. Er soll für den Erfolg der Simpsons ebenso verantwortlich sein wie für den Durchbruch verschiedener anderer Sendeformate. Doch trotz eines geschätzen Privatvermögens von einer Milliarde US-$ hat er es trotz mehrerer Versuche nie geschafft, ein eigenes Filmstudio zu kaufen. Dabei weist der Lebenslauf des in San Francisco geborenen und in Beverly Hills aufgewachsenen 61-Jährigen weitere illustre Namen auf: ABC, Fox, QVC, Coca-Cola, die Washington Post, ... In den vergangenen Jahren hat Mr. Diller zunächst ins Homeshopping-Geschäft investiert, so gehören das Home Shopping Network und Home Shopping Europe zu seinem Imperium.

Die Aktivitäten sind in USA Interactive (USAi) gebündelt ... und in der letzten Zeit haben sich zahlreiche Online-Unternehmen unter das Dach gesellt. So übernahm USAi im März die Mehrheit beim Online-Reisebüro Expedia, von dem sich Microsoft schon seit längerem zurückgezogen hat. Aber auch Ticketmaster, der weltweit erfolgreichste Online-Anbieter von Eintrittskarten für Musik- und Sportevents, das Online-Reservierungssystem Hotels.com und die Partnerbörse Match.com sowie zahlreiche weitere Internet-Unternehmen. Nun steigt USAi wohl auch in das Internet-Finanzgeschäft ein und hat die Übernahme von Lending Tree, des größten Online-Hypothekenvermittlers in den USA, angekündigt.

USA InteractiveUSAi über USAi: "USA engages worldwide in the business of interactivity via the Internet, the television and the telephone. USA's multiple brands are organized across three areas: Electronic Retailing, Information & Services and Travel Services. Electronic Retailing is comprised of HSN, America's Store, HSN.com, and Home Shopping Europe and Euvía in Germany. Information & Services includes Ticketmaster, Match.com, uDate, Citysearch, Evite, Entertainment Publications and Precision Response Corporation. Travel Services consists of Expedia, Hotels.com, Interval International, TV Travel Group and USA's forthcoming U.S. cable travel network."

Die Börsenkapitalisierung von USAi übertrifft die der bekannten Online-Größen wie Amazon oder Yahoo längst. Ein Modell, das offenbar aufgeht: Während Amazon, eBay, Yahoo und Co. monolithisch wirken, so immer wieder im Rampenlicht stehen und jeder Schritt von Konkurrenten und Marktbeobachtern kritisch beäugt wird, wirkt USAi fragementiert und entzieht sich der Betrachtung. Expedia kennt man noch, aber USAi?

Ob es ein gemeinsames Ziel, ein klares Gesamtbild der Aktivitäten gibt, ist dabei fraglich. Oft wirkt das alles irgendwie planlos ... eine Art Gemischtwarenladen? Interessant dabei: Die Online-Aktivitäten von USAi werfen im Vergleich zur Konkurrenz zumeist deutliche Profite ab. Der Gemischwarenladen scheint also doch nicht so willkürlich zusammengewürfelt. Allen Unternehmensbereichen gemeinsam ist, dass sie sich um die Abwicklung von Transaktionen drehen: Online-Tickets, Reise- und Hotelbuchungen, Online-Partnervermittlung, Online-Hypothekenvermittlung, ... Und wo wirklich Waren online verkauft werden, da werden Synergieeffekte mit den Homeshopping-Sendern genutzt. Im Bereich Content allerdings scheinen Diller und USAi vorsichtig zu sein, zumindest spart die Liste der Mergers & Aquisitions auf der USAi-Website diesen Bereich großzügig aus.

Barry Diller, Chairman und CEO von USA InteractiveBarry Diller erklärt immer wieder, er wolle sich nicht allein auf den Online-Handel konzentrieren. Dafür sind die TV-Shopping-Aktivitäten wohl auch zu lukrativ, zu denen auch noch das Travel Network und Travel TV kommen sollen. Andererseits treibt er auch die Expansion seiner Online-Geschäfte - unter anderem nach Europa - kräftig voran. Kürzlich übernahm USAi dazu den britischen Dating-Dienst UDate. Hotels.com soll international ausgerichtet werden und würde hierzulande wohl zum Konkurrenten von HRS.de. Expedia ist zwar in Europa vertreten, der Anteil der Umsätze am europäischen Online-Reisemarkt soll aber gezielt ausgeweitet und das Angebot auf weitere Länder ausgeweitet werden. Auch den interessanten Markt für Dienstreisen hat USAi im Blick, die Aktivitäten beschränken sich nicht auf B2C-Geschäfte.

Das Basisprinzip für USAi scheint zu lauten, erfolgreiche Unternehmen aufzukaufen, wenn sie in das eigene Portfolio passen, und dann zielstrebig zu expandieren. Die Konzepte müssen sich in der Praxis bewährt haben, eigene Risiken scheut Diller. Vor einem Jahr hatte Mr. Diller angekündigt, insgesamt 9 Milliarden US-$ investieren zu wollen und zugleich wiederholt angedeutet, dass er sich vor allem davor fürchtet, den einen großen Fehler zu machen, der den ganze Konzern ins Wanken bringt. Diversifizierung und die Ausrichtung auf Online-Transaktionen scheinen die obersten USAi-Gebote für Erfolg im E-Business zu lauten. Wo Diller und USAi als nächstes zuschlagen weiß niemand so genau. Gerade deswegen ist es spannend, die Entwicklungen zu beobachten ... und zu sehen, dass erfolgreiches E-Business auch ganz unscheinbar daher kommen kann.

Von Markus Stolpmann am 06.05.2003, 14:39, in more eStuff
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