Ein eDings-Beitrag von Karina Matejcek

Philip Kotler u.a.: Marketing der Zukunft

Cover Kotler
Mit Sense and Response
zu mehr Wachstum und Gewinn: so der Untertitel von Marketing der Zukunft.

Der Untertitel war es auch, der mein Interesse an diesem Buch weckte. Er versprach mir eine Beschäftigung mit den Bedürfnissen von Kunden (=Menschen), er rief in mir die Assoziation von Zuhören, auf Bedürfnisse eingehen, Antworten geben hervor.

Doch zwischen den Buchdeckeln: keine Spur von Sense and Response.

Unklar ist schon die Zielgruppe des Buches: Marketingmanager? E-Business-Verantwortliche? Mitarbeiter in E-Commerce-Projekten? Geschäftsführer?

Werden sie in diesem Buch viel Neues über Marketing und über das Marketing der Zukunft erfahren? Die Erwartungshaltung, die der Titel hervorruft, wird meines Erachtens nicht eingelöst. Es ist eine unspektakuläre Einführung in die Grundlagen des Marketing mit einem Seitenblick auf das klassische Online-Marketing – jedoch mit einer wesentlichen Einschränkung:

Im Kontext der Ernüchterungen nach dem Dot-com-Hype erscheint dieses Buch auf weiten Strecken unreflektiert und idealisierend und gleitet in eine naive Sicht von Online-Geschäftsmodellen ab, wie sie mir aus Zeiten der überdrehten Berichterstattung in Net-Business, E-Market und Co. noch sehr deutlich in Erinnerung ist.

Der Kunde, der auf Banner klicken, Interstitials betrachten oder Mitglied in Online-Communities sein soll, bekommt keine fassbare Kontur.

Die Phrasen von den radikalen Veränderungen, der Globalisierung, vom scharfen Wettbewerb und von der Konkurrenz, die nur einen Klick entfernt ist, gipfeln in der Forderung, die Unternehmen müssten sich digitalisieren, um bestehen zu können. Das wäre Mitte der Achtziger eine spannende Aussage gewesen, heute wirkt es antiquiert. Genauso wie dies auch der Schluss-Absatz tut: Die Unternehmen müssen umdenken und die Kundenorientierung als Ausgangspunkt betrachten. Nur dann können sie alles Notwendige über ihre Kunden erfahren und maßgeschneiderte Produkte, Dienstleistungen, Lösungen und Botschaften entwickeln. (S.216)

Diese Conclusio ist übrigens die Fortsetzung folgender Argumentation: Wenn die Autohersteller ihr Geschäftsmodell demjenigen von Dell anglichen, würden die Fahrzeuge nicht mehr 70 Tage beim Händler herumstehen, und die Kunden müssten auch keinen Aufschlag von 10 Prozent mehr bezahlen, um die hohen Vertriebskosten des Herstellers zu decken. Verkürztes Denken, wie es sich durch die ganzen 250 Seiten zieht.

Dabei wird im Kapitel Neue Denkmodelle im Marketing ein sehr interessanter Ansatz vorgestellt: das Dreieck kognitiver Raum des Kunden (Kazuaki Ushikubo, 1986), Kompetenzraum des Unternehmens und Ressourcenraum der Partner. Hier werden auch jene Begriffe eingeführt, die im weitesten Sinne zu Sense and Response weitergedacht werden könnten: Bedürfnisse, Lebensabschnitte, Lebenszusammenhänge, Lebensstile, Chaos & Ordnung, Außenorientierung & Innenorientierung, Wünsche, Veränderung, Mitwirkung, Freiheit, Stabilität, Kompetenz, Beziehung ...

Was hier auf zehn Buchseiten abgehandelt wird, findet leider in den Schilderungen der Möglichkeiten, die das Internet den Unternehmen nun bietet, keine wirklich griffige Fortsetzung, sondern mündet in Aussagen wie diese: America Online, Yahoo!, Lycos und andere Portale konkurrieren darum, in den Augen der Surfer die attraktivsten Eingangstore zum Internet darzustellen. Sie verwandeln sich dabei in Infomediäre, erheben Informationen über die Nutzer und helfen diesen dann dabei, die Verbindung zu den richtigen Anbietern herzustellen. (S. 133)

Zum Weiterlesen empfehle ich – gebetsmühlenartig, jaja – The Cluetrain Manifesto (deutsche Fassung bei Amazon nicht mehr lieferbar) und Gonzo Marketing. Da menschelt es, sprudelt es vor Begeisterung, surft es im Web, kommuniziert es per E-Mail und befüllt Weblogs mit Authentischem. Wie die wahren Gurus es halt so machen, gell grin

Das Buch bei Amazon

Von Karina Matejcek am 06.10.2002, 17:02, in eDs Bücherregal
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.




Cool Stuff...

Rettet dem Dativ?
Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Das Publikum fesseln
Peter Klotzki: Wie halte ich eine Rede?

Persönlichkeit als Marke
Petra Wüst: Self Branding für Manager

Mehr Erfolg mit Online-PR
Marcel Bernet: Medienarbeit im Netz

Kurz und knackig
Roland Leonhardt: Der One-Page-Manager - nie mehr als eine Seite

Kontakte pflegen
Christine Öttl, Gitte Härter: Networking

Strategien für den langfristigen Erfolg in Inden
Volker Zotz: Die neue Wirtschaftsmacht am Ganges

Analyse, Fakten, Perspektiven
Frank Sieren: Der China Code

Toolbook für professionelle Websites
Stefan Münz: Professionelle Websites

Strategien für mehr Profit
Robert G. Docters, Martin Dürr: Pricing und Branding

China verstehen
Kai Strittmatter: Gebrauchsanweisung für China

Begegnungen
Roger Willemsen: Gute Tage

Gelungenes Nachschlagewerk zu XAMPP
Kai Seidler, Kay Vogelgesang: Das XAMPP-Handbuch

Business-Querdenken
Anja Förster, Peter Kreuz: Different Thinking

Ziele definieren, Krisen vermeiden
Regina Haberfellner: Gründerlust statt Gründerfrust