Privatverkauf im Internet: Eine neue New Economy?

Pssst: Ich hab' da ein ganz heißes Eisen ... Verkäufe von privat im Web. Schnäppchen ohne Ende sag ich Euch! Und das Ende der traditionellen Händler ist nah. Wer will denn ein Buch oder eine CD neu kaufen, wenn er das Gleiche auch gebraucht für weniger als die Hälfte bekommt?
Ob eBay, Amazon oder die diversen Autobörsen … nie war es so einfach, Produkte gebraucht zu erwerben - oder eben auch wieder zu verkaufen. Das schöne neue Internet macht's möglich. Schon beginnen die ersten Unternehmen, diese alternativen Distributionswege zu verfluchen. Kein Wunder: geht doch der Verkauf von Neuwaren durch diese Zweiverwertung in manchen Segmenten deutlich zurück.

Vor kurzem hörte ich gar den Satz: "Die besten Produkte, die Sie als Händler anbieten können, sind Flugreisen und Schokoriegel - einmal genutzt kann man die wenigsten nicht ein zweites Mal online verhökern!"

Natürlich ist diese Darstellung etwas übertrieben. Aber Auswirkungen sind auf jeden Fall spürbar. Und zwar nicht nur bei Musik-CDs und Computerspielen. Das Beispiel Amazon macht deutlich, wie diffizil die Beziehungen sind. Waren vor kurzem die unbekannteren Buchautoren noch froh, dass sie im Internet präsent waren und auch selbst Verlinkungen auf Amazon-Seiten nutzen konnten, so schlägt die Stimmung gerade um. Wer bei all seinen Büchern gebrauchte Exemplare findet, die preislich deutlich unter dem gebundenen Ladenpreis liegen, der ist darüber als Autor nicht mehr glücklich. Denn bei dieser "Zweitverwertung" sieht der Autor keinen Pfennig ... pardon: Cent ... mehr! Jeder private Verkauf schmälert also die Tantiemen des Autors . Und in den USA gehen daher Autorenverbände mittlerweile dazu über, ihre Mitglieder zu einem Boykott Amazons aufzurufen.


Doch wie so oft hat alles im Leben zwei Seiten: viele Käufer geben an, dass sie das Produkt gar nicht gekauft hätten, wäre es nicht gebraucht so günstig gewesen. Natürlich gibt es keine aussagekräftigen, unabhängigen Studien darüber, wie sich dieser bequeme Privatverkauf mittels Internet wirtschaftlich wirklich auswirkt. Noch hat das Internet nur einen verschwindend kleinen Anteil an den Gesamtumsätzen der Wirtschaft. Und natürlich gab es schon immer Flohmärkte und Garagenverkäufe. Aber das Internet bringt eine neue Dimension mit sich. Da braucht es nicht die Horrorszenarien der Musikindustrie, nach denen eine CD viermal kopiert und immer wieder weiterverkauft wird. Es reicht, sich einmal in den eigenen vier Wänden umzuschauen, was man weiterverkaufen könnte oder aber gebraucht hätte beziehen können.

Entsteht hier gar eine andere Form der "New Economy"? Eine neue Wirtschaft, eine Schattenwirtschaft, die immer mehr an Bedeutung gewinnen wird? Die ständig steigende Beliebtheit von Privatauktionen und privaten Marktplätzen könnte dafür sprechen. Oder ist das alles Panikmache? Ist es vielleicht gar so, dass die Berichte über Betrügereien und die Angst vor dem Reinfall die Kunden doch wieder zurück zu den Händlern mit den Neuwaren treibt? Eines ist gewiss: Amazon hat einen Weg gefunden, in beiden Fällen zu profitieren: egal, ob nun das fabrikneue Produkt von Amazon oder das gebrauchte Schnäppchen von Privat - für den Mittler rollt stets der Rubel … ähm: Euro!

Ach ja - ich hätt' da noch ein paar gebrauchte Socken ... frisch getragen. Angebote an mich!

Euer eD
Von eD, das kleine eDings am 03.06.2002, 11:07, in more eStuff
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