Betaversion als Killer-Applikation
Stellen Sie sich vor, am Rande Ihrer Heimatstadt wird ein neues Einkaufszentrum gebaut. Sie sind Händler für Consumerprodukte und potenzieller Mieter eines Ladenlokals in diesem Shoppingcenter ...Eine Pressemeldung macht Sie auf den Neubau aufmerksam und Sie werden eingeladen, sich die Sache doch mal anzuschauen, um sich rechtzeitig einmieten zu können.
Sie folgen der Einladung, fahren hin und finden nichts als eine Riesenbaugrube, in der ein Heer von Arbeitern grade dabei ist, das Fundament zu errichten ... Sie möchten mit jemandem sprechen, der hier zuständig ist. Ein freundlicher Bauarbeiter zeigt auf eine Bretterwand, an der ein Zettel klebt: "Das ist die Beta-Version, aber Sie können sich schon mal für ein Ladenlokal registrieren. Anmeldeformulare liegen da hinten im Bau-Container, den Schlüssel für den Container gibt's beim Vorarbeiter ..."
In einer Presseaussendung einer neuen österreichischen "Produktsuchmaschine" wird dazu eingeladen, sich die Betaversion anzuschauen, um sich ein Bild zu machen.
Damit möchte man Händlern schmackhaft machen, sich dort zu registrieren. - Und die Idee einer online verfügbaren Vorab-Version ist ja grundsätzlich zu begrüßen.
Und so mache ich mich auf die Suche nach Infos und finde
- Informationen über das Unternehmen,
- Allgemeine Geschäftsbedingungen,
- Nutzungsbedingungen,
- Impressum,
- Frequently Asked Questions (FAQ),
- Hilfetexte,
- Informationen über Werbemöglichkeiten,
- Pressecorner,
- Copyrighthinweise,
vertreten durch Platzhalter à la "hier wird irgendwann eine Information stehen".
Der Rest ist ein einziges Durcheinander an halbfertigen Features, Dummytexten, Dummyprodukteinträgen, Dummyformularen ...
Es fehlen:
- ein freundlicher Empfang
- sämtliche Informationen, wer hinter dem Angebot steht, welche Firma diese Website betreibt
- eine Beschreibung des Nutzens für Händler und Kunden
- eine Guided-Tour durch das Projekt mit detaillierten Funktionsbeschreibungen
- eine Möglichkeit zur Online-Registrierung für Händler, um einen ersten Kontakt herzustellen - jetzt darf der Interessent sich ein gezipptes (!!) PDF herunterladen, das er aber erst mal finden muss
- eine Möglichkeit, sich für eine E-Mail-Benachrichtigung zu registrieren, um zu erfahren, wann die Sache richtig losgeht
- TEXTE
- sinnvolle Online-PR, sinnvolles Online-Marketing:
Zum Beispiel:
Eine Einladung für eine exklusive Führung durch das Tool mit Hilfe eines One-to-One-Chats
Die Aufforderung, sich über Permission-Marketing-Aktivitäten über den Verlauf des Projekts informieren zu lassen
Ein exklusives LOGIN, das man nach Registrierung erhält, um sich den FERTIGEN Webauftritt vorab exklusiv ansehen zu können
So erweist man Nutzern Respekt, so baut man Vertrauen auf, so führt man den Kunden an ein Angebot heran, so bindet man ihn an die Website.
Wer mit einer Baustelle online geht, darf sich nicht wundern, wenn das Geschäft schon tot ist, bevor es noch läuft. Gekillt durch Unprofessionalität und Gedankenlosigkeit.
Von Karina Matejcek am 16.05.2002, 13:00, in more eStuff
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