Ergebnisse der 1. eDings-Umfrage zum Bezahl-Web
Sie haben es alle mitbekommen: jeder redet vom Ende des Kostenlos-Webs, aber gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass viele Nutzer gar nicht so einfach zahlen wollen oder können. Uns sind zahlreiche Online-Anbieter bekannt, die mit ihren Bezahl-Modelle gescheitert sind oder doch zumindest nicht den erhofften Erfolg verbucht haben. Daher haben wir unsere eigene eDings-Umfrage durchgeführt. Hier die Ergebnisse.Um es vorwegzuschicken: Uns ging es nicht um die generelle Zahlungsbereitschaft und auch nicht um die große, ach so repräsentative Querschnittsanalyse. Vielmehr wollten wir die Meinung von Ihnen, unseren eDings-Lesern kennen lernen. Und wir haben uns auch auf einen speziellen Ausschnitt konzentriert: nicht Musik, Video, Entertainment und Games, sondern beruflich genutzter Content hat uns interessiert. Wir wollten insbesondere herausfinden, wie es wirklich um die Zahlungsbereitschaft, aber auch die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für den Erfolg von Bezahl-Angeboten für beruflich genutzte Online-Inhalte bestellt ist.
Die Zahlungsbereitschaft
Zunächst haben wir gefragt, ob Sie generell bereit sind, für beruflich genutzte Online-Inhalte Geld auszugeben. Keine Angst ... es ging hier nicht darum, eDings zukünftig nur noch gegen Cash anzubieten.

Es zeigt sich, dass die Hälfte der Teilnehmer durchaus bereit ist, für Inhalte zu zahlen, die beruflich genutzt werden, ein weiterer großer Teil macht seine Bereitschaft von den Inhalten und dem Bezahlmodell abhängig. Nur etwa jeder 8. lehnt es grundsätzlich ab, für Online-Content zu zahlen. Niemand hatte keine Meinung dazu.
Dieses Ergebnis unterscheidet sich deutlich von den vielen Umfragen der letzten Zeit, die die allgemeine Zahlungsbereitschaft untersucht haben (also nicht beschränkt auf beruflich genutzten Content). So präsentiert Fittkau und Maas am 23. April 2002 die "WWW-Benutzer-Analyse W3B". Eines der bereits bekannten Ergebnisse: Nur 20 % der Nutzer seien bereit, für Online-Informationen, Software-Nutzung und Datei-Download zu bezahlen, genau so viele wie im vorigen Jahr. Die Hälfte der Nutzer lehne dies grundsätzlich ab. Zu einem ähnlichen Resultat kommt ein im Januar veröffentlichter Report von Jupiter MMXI über die Situation in Westeuropa. Danach lehnen es 47 % der Europäer generell ab, künftig für Inhalte aus dem Internet Geld zu zahlen.
Geänderte Einstellungen?
Im Weiteren wollten wir gerne wissen, ob sich Ihre Einstellung in den letzten 12 Monaten geändert hat, was die Bereitschaft anbetrifft, für Online-Content zu zahlen. Hintergrund ist die anhaltende Diskussion über fehlende Geschäftsmodelle, hohe Kosten für den Unterhalt von Online-Angeboten und die Produktion von hochwertigem Content sowie das Wegfallen von Einnahmen aus Online-Werbung etc. Hat Sie das alles beeinflusst?

Etwa die Hälfte der Befragten gibt in unserer kleinen Umfrage an, dass sie bei ihrer Meinung geblieben sind. Das ist soweit auch nicht verwunderlich. Interessant jedoch, dass rund 38 % bei sich eine stärkere Bereitschaft verspüren, für Online-Inhalte zu bezahlen. Weitere 8 % geben hingegen an, dass ihre Bereitschaft gesunken ist, und etwa 4 % konnten dazu keine Aussage treffen.
Ob dies nun schon ein Anzeichen dafür ist, dass sich das Bezahl-Web tatsächlich durchsetzen wird, mag jeder für sich beantworten. Wir möchten aber nochmals darauf hinweisen, dass es uns bewusst nicht um die Titelstory des Focus ging, die ich online schon vorab (gegen Gebühr) lesen kann - und auch nicht um Musikangebote oder Online-Spiele. Da es um die berufliche Nutzung geht, spielen Zeitvorteile und Nutzwert eine wichtige Rolle, wenn es um den Zahlungswillen geht. Es bleibt jedoch die Frage, ob die Befragten überhaupt die Möglichkeit haben, auch wirklich zu bezahlen.
Entscheidungsprozesse
Aus diesem Grund ging es uns in der nächsten Frage darum, ob die Befragten überhaupt autonom die Entscheidung treffen können, online für Content Geld auszugeben, der für die berufliche Nutzung geeignet ist.

Hier zeigt sich eine klare Zweiteilung: 57 % der Befragten können autark entscheiden. Wir haben allerdings keine personen-/funktionsbezogenen Daten erhoben, so dass offen bleibt, wie viele Chefs, Selbständige und Freiberufler sich darunter befinden. Der große Rest hat immer mit Einschränkungen zu kämpfen und benötigt das OK des Vorgesetzten, schriftliche Verwendungsnachweise oder ist auf klassische Zahlungsformen beschränkt.
Interessant in diesem Zusammenhang noch: Niemand hat Probleme mit der Buchhaltung, wenn es um Online-Content geht, und es gab auch niemanden, der zu dieser Frage keine Aussage machen konnte.
Bevorzugte Geschäftsmodelle
Wir wollten es aber genauer wissen: Gibt es gerade bei der beruflichen Nutzung ein klar bevorzugtes Geschäftsmodell? Dabei haben wir nach Abo-Konzepten und Pay-per-View/Per-per-Use gefragt. Der Hintergrund ist einerseits, dass man beim Pay-per-View/Pay-per-Use-Konzept (also der Bezahlung pro einzelnem Abruf) keine langfristige Bindung eingeht, dafür aber auch über den konkreten Inhalt des Dokuments in der Regel wenig weiß. Umgekehrt geht man bei einem Abonnement (wie bei einer Mitgliedschaft) eine längere Bindung und ein höheres finanzielles Risiko ein, hat aber evtl. mehr davon.
Andererseits ist es aber auch so, dass man ein Abonnement nicht unbedingt direkt ("instant") eingehen und per Online-Zahlung begleichen muss. Hier kann viel leichter auf die traditionelle Rechnungsstellung zurückgegriffen werden. Nach der Begleichung erhält der Kunde dann eine Login-/Passwort-Kombination, die ihm den Zugang zum kostenpflichtigen Angebot ermöglicht.

Interessanterweise zeigt sich hier ein sehr heterogenes Bild: etwa 31 % der Umfrage-Teilnehmer geben dem Pay-per-View/Pay-per-Use-Modell den Vorzug, fast ebensoviele (30 %) bevorzugen Abo-Modelle. Allerdings geben auch ebensoviele Befragte an, dass sie keine Präferenz haben, und ungefähr jeder 12. hat sich hierzu noch kein Urteil gebildet.
Eingesetzte Bezahlformen
In der letzten Frage ging es uns nun darum, die von den Teilnehmern eingesetzten Bezahlformen kennenzulernen. Auch hier schränkten wir die Frage wieder auf die berufliche Nutzung ein. Wir haben bei diesem Punkt Mehrfachantworten zugelassen, da sich die Nutzung ja nicht auf ein Zahlungssystem beschränken muss.

Nicht aus der Grafik ersichtlich ist zunächst, dass die meisten Teilnehmer 2-3 verschiedene Zahlungsformen einsetzen. Kein Wunder: das allgemein akzeptierte System gibt es kaum.
Die genauere Auswertung zeigt zunächst, dass Vorkasse und SET (Secure Electronic Transaction, eine besondere Form der Kreditkartenzahlung) von unseren Nutzer nicht eingesetzt werden. Für den Rest ergibt sich eine klare Drittelung: zu einem Drittel kommt die klassische Überweisung nach Erhalt der Rechnung zum Einsatz, zu einem weiteren Teil die übliche SSL-verschlüsselte Kreditkartenzahlung. Beide Varianten sind aber eher für Abo-Modelle geeignet.
Das letzte Drittel hat keinen echten Sieger. Zieht man noch die 5 % derjenigen ab, die keine Bezahlsysteme nutzen, so bleiben ungefähr gleich viele Nutzer für Bankeinzug (im beruflichen Umfeld muss hier ja überhaupt die Kontovollmacht gegeben sein), Gutenhabenkarten (wie Paysafe) und Mobile-Payments (Paybox etc.). Der Rest läuft unter "ferner liefen"...
Dieses Ergebnis passt übrigens auch zu einer Pressemitteilung von Mummert+Partner, die uns unter dem Titel "Digitale Bezahlsysteme: Das Sterben hat begonnen" eben erreichte. Demnach setzen zwei von drei Verbrauchern weiter auf herkömmliche Bezahlverfahren. Sie schwören nach wie vor auf Rechnung und Nachnahme. Selbst bereits etablierte Systeme wie Geldkarte, Paybox oder Kreditkarte werden demnach nur von einer Minderheit der Verbraucher bei Einkäufen in der digitalen Welt eingesetzt – ganz zu schweigen von den rund 50 anderen Verfahren. Die Folge: Keinem Anbieter ist es bisher gelungen, einen entscheidenden Marktanteil zu erringen. Dabei ist für mehr als die Hälfte der Kunden eine ausreichende Verbreitung Grundvoraussetzung für den Umstieg wie eine von der Mummert + Partner Unternehmensberatung begleitete Untersuchung der Universität Karlsruhe ergab.
Von Markus Stolpmann am 10.04.2002, 09:07, in more eStuff
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