31.03.2005

Wordpress: Wie man Goodwill, Suchmaschinen-Listing und Pagerank verspielt

In den letzten Tagen wurde aufgedeckt, dass die Website Wordpress.org nicht nur dazu verwendet wurde, Informationen über die bekannte Open-Source-Weblog-Software zu verbreiten, sondern auch als Host für Informationen dient, um Suchmaschinen zu be"spammen" und über das Google AdSense-Programm Einnahmen zu erzielen. Ein fataler Reigen begann...

Am 30. März deckte Andrew Baio in seinem Weblog Waxy.org auf, dass er über ca. 168.000 Webseiten auf Wordpress.org gestolpert war, die offenbar das Ziel hatten, Einnahmen über Google AdWords zu erwirtschaften. Geschickt wurde dabei ausgenutzt, dass Wordpress.org einen sehr hohen Pagerank von 8 besitzt (besser: besass) und von sehr vielen Bloggern verlinkt ist. Die Links zu den fraglichen Beiträgen fanden sind nicht nur in Google, sondern beispielsweise auch in den Suchmaschinen von Yahoo und MSN.

Auf Nachfrage hat Matt Mullenweg, Entwickler der kostenlosen Wordpress-Software und Betreiber der offiziellen Support-Website Wordpress.org, auch offen dazu Stellung genommen, dass das Hosting dieser Seiten für ihn eine Einnahmequelle darstellt, er aber nicht direkt an den Werbeeinnahmen beteiligt sei, sondern eine Hosting-Gebühr erhebe. Diese diene dazu, die Infrastruktur und Weiterentwicklung von Wordpress zu sichern.

Hinter den Artikeln im Umfang von jeweils 300-800 Worten steht Hot Nacho, ein Startup, das "freelance writers" offenbar 3$ pro Artikel bietet. Diese Artikel beziehen sich auf vorgegebene Keywords, für die im AdWords-Programm besonders hohe Preise gezahlt werden. Unnötig zu betonen, dass die Beiträge von AdWords-Anzeigen umrahmt wurden und es hier nicht darauf ankam, besonders nützliche Informationen zu verbreiten. Techniken der "Suchmaschinen-Optimierung" sorgten zusätzlich dafür, dass die fraglichen Seiten zuhauf den Weg in die Suchmaschinen fanden - und aufgrund der Popularität der Wordpress-Domain auch entsprechend weit oben in den Listings auftauchten.

Doch der Spass dauerte nicht lange: Mittlerweile sind die Seiten aus Google und Yahoo verschwunden, Wordpress.org hat einen Pagerank von 0 - wurde also von Google "verbannt" ... und auch auf Wordpress.org selbst finden sich die Artikel nicht mehr. Der Aufschrei, der durch die Reihen der Wordpress-User ging, hat aber auch noch dem Ansehen und Goodwill geschadet, das Matt Mullenweg bislang entgegengebracht wurde. Viele User haben nicht nur etwas gegen diese Form der Ausnutzung der Popularität von Wordpress, sondern sehen sich auch getäuscht, da sie mit ihren Links auf die Domain dieses Konzept erst ermöglicht haben. Eine Diskussion ist entbrannt darüber, ob ein Open-Source-Programmierer überhaupt ohne Wissen der Community die Popularität (s)eines Projektes kommerziell ausnutzen darf.

Dabei glaube ich, dass Matt sicher keine unlauteren Absichten hatte. Bei Hot Nacho mag das anders aussehen, zumal man bei 3$ pro Artikel auch klar zeigt, dass es hier nicht um Qualität, sondern um Masse ging. Der Vorgang zeigt aber einige andere Dinge:
  • Die Popularität mancher Websites (gerader die von beliebten Open-Source-Projekten), die sich in einer hohen Zahl von Backlinks und einem entsprechenden Pagerank manifestiert, kann gezielt von Marketern ausgenutzt werden.
  • Open-Source-Programmierer sind möglicherweise durchaus empfänglich für eine finanzielle Kompensation ihrer Bemühungen, werden aber von der Community oft als Vertreter einer besseren Welt wahrgenommen - und jeder Verstoß gegen die ungeschriebenen "heiligen Regeln" wird als Verrat angesehen.
  • Wer der Versuchung erliegt, kann (wie in diesem Fall) herben Schiffbruch erleiden: Auslistung aus Suchmaschinen, Reputationsverlust, die User sauer, Suchmaschinennutzer sauer, Googles AdWords-Nutzer sauer, Google selbst sauer ... und wahrscheinlich auch noch Stress mit dem "Partner", dessen Content man zu hosten versprochen hatte.

Vermutlich wird auch Hot Nacho als Google-Werbepartner abgestraft und die Einnahmen aufgrund des Verstosses gegen die Teilnahmebedingungen eingefroren worden sein.

Insgesamt aber zeigt sich: Wer eine populäre Website betreibt, hat vieles zu bedenken, wenn es darum geht, den eigenen Ruf zu schützen. Matt hätte sich den Aufruhr so sicher nicht vorgestellt - und erst recht nicht die Reaktionen der Suchmaschinen. Wordpress.org ist vorerst "verbrannt" ... und das wiederum wirft die Frage auf, ob es irgendwann den ersten Weblog-Hoster trifft: Gerade Gratis-Hoster könnten ebenfalls empfänglich für gefakte Einträge und Weblogs sein, wenn sie dafür einen Obulus erhalten ... und könnten dadurch mittelfristig ihren Nutzern und ihrem Dienst ernsthaft schaden.

Und was wäre passiert, wenn es bei den fraglichen Seiten auf Wordpress.org nicht um Google AdSense in Verbindung mit Suchmaschinen-Spamming gegangen wäre? Wären die Reaktionen ebenso schnell und heftig ausgefallen? Schließlich lagen zwischen Veröffentlichung und Verbannung weniger als zwei Tage. Oder hätte es auch eine lukrative Variante gegeben, von der Popularität der Domain zu profitieren, und zugleich Goodwill und vielleicht sogar Unterstützung dafür zu ernten? Viele User äußern nämlich, dass sie vor allem verwerflich finden, dass Matt seine Absichten nicht vorab mit der Community diskutiert habe.
von Markus Stolpmann • ein Trackback

11.03.2005

Online-Shopping: Kauf-Verhinderungs-Methoden

Betrug ist im Online-Business leider an der Tagesordnung. Klar, dass da die Händler versuchen, im Bestellprozess potenzielle Betrüger zu entlarven und zu stoppen. Tatsächlich werden sie sogar von ihren Payment-Partnern dazu genötigt, entsprechende Verfahren in den Online-Bestellvorgang einzubauen. Aber gerade für kleinere Unternehmen kann das auch dazu führen, dass potenzielle Kunden vergrault und Geschäfte verhindert werden...

So ist es mir heute wieder einmal ergangen, als ich eine Software-Lizenz erwerben wollte. Alles klappte wunderbar, bis ich meine Adresse (zugleich die Rechnungsadresse) eingegeben hatte und zum Bezahlen schreiten wollte:
Error
The originating country determined for your IP Address did not match the country provided for your billing address.

Also zu deutsch etwa: Ihre IP-Adresse stammt aus einem anderen Land als die von Ihnen angebene Rechnungsadresse. Ja, stimmt! Ich sitze gerade im Büro in Wien, aber die Rechnungsadresse ist Deutschland. So würde ich ja verstehen, wenn ein Online-Shop stutzig wird, solange ich Erstkunde bin. War ich aber nicht - im Gegenteil: Eingeloggt mit meinen Kundendaten und einer Kundenhistorie über mehrere Jahre. Blöd. Und eine Alternative gab es auch nicht - zumindest wurde kein Lösungsweg vorgeschlagen. Und die Zahl der Online-Shops, die solche Überprüfungen vornehmen, nimmt ständig zu. (Übrigens: Technisch gesehen ist diese Überprüfung gar nicht aufwändig: ip2nation.com.)

Der Durchschnittskunde steckt dann an dieser Stelle in einer Sackgasse. Entweder kann er warten, bis er wieder in seinem Heimatland ist - aber das ist in vielen Fällen unpraktisch oder auch ungewünscht (z.B., wenn die Software sofort benötigt wird oder es sich um ein Sonderangebot oder einen spontanen Kaufimpuls handelt). Oder er gibt jemandem "zuhause" seine Login- und Kreditkartendaten ... aber das ist nicht nur fahrlässig, sondern sogar illegal. Fazit: In etlichen Fällen wird hier der Kauf geschickt vereitelt.

Es gibt übrigens weitere Methoden, die zum Frust beim Online-Einkauf führen können. So benötigt man bei einem großen deutschen Online-Shop einen speziellen Freischaltcode für ESD-Käufe (Electronic Software Distribution), den man bei der Kundenregistrierung einmal bekommen und sich dann ausgedruckt hat. Aber immer, wenn ich gerade einmal dort auf die Schnelle eine Software kaufen will, habe ich natürlich diesen Code nicht griffbereit.

Nun, wie gesagt: Ich habe durchaus Verständnis für den Online-Anbieter. Aber vielleicht sollte man diese Kontrolle für Stammkunden ausschalten (wie auch immer man "Stammkunde" dann definieren will). Oder zumindest eine Hilfestellung geben, wie der Kauf doch noch zustande kommen kann - z.B. verzögert mit manueller Bestätigung. Nun - in diesem Fall habe ichdank des guten Kundenservice und über eine Beschwerdemail doch noch meine Bestellung aufgeben können ... fragt sich nur, wie viele Kunden diesen Schritt gehen, wenn er ihnen nicht explizit angeboten wird.
von Markus Stolpmann • keine Trackbacks

08.03.2005

Trend: Client-side Webpage Hacking

Ja, ich weiß: Der Titel ist ein wenig sperrig. Aber in der letzten Zeit ist eine neue Entwicklung zu beobachten, bei der immer häufiger Webseiten auf der Seite des Betrachters modifiziert werden. Angefangen hat es fast unbemerkt mit Popup- und Ad-Blockern, dann kamen ein paar Autolink-Funktionen der Google-Toolbar dazu. Und der Firefox erlaubt es, eigene Stylesheets zu verwenden, wenn man auf fremden Webseiten surft. Aber das alles ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn man sich die Firefox-Erweiterung Greasemonkey anschaut. Zukünftig könnte die Art, wie wir Webseiten nutzen, ganz neu definiert werden - mit faszinierenden, aber auch erschreckenden Aussichten für Webuser wie Webdesigner.

Greasemonkey? Nie gehört!


Webinhalte im Browser verändert
Greasemonkey ist eine kostenlos verfügbare Erweiterung, die so genannte user scripts laden und ausführen kann. Diese greifen auf den HTML-Quellecode der angezeigten Webseite zu und können ihn automatisch modifizieren. Auf der Greasemonkey-Website wird das so erklärt:
Greasemonkey is a Firefox extension which lets you to add bits of DHTML ("user scripts") to any webpage to change it's behavior. In much the same way that user CSS lets you take control of a webpage's style, user scripts let you easily control any aspect of a webpage's design or interaction.
For example you could:
- Make sure that all URLs displayed in the browser are clickable links
- Improve the usability of a site you frequent
- Route around common and annoying website bugs

Die Besonderheit von Greasemonkey: Es ist kostenlos erhältlich und jederzeit um beliebige user scripts erweiterbar, die ebenfalls kostenfrei zum Download angeboten werden. Diese user scripts sind einfach zu erstellen und können ganz simpel sein, durchaus aber auch sehr komplexe Aufgaben übernehmen.

Allerdings: Greasemonkey ist beileibe nicht die einzige Anwendung, die den HTML-Quelltext automatisch modifizieren kann. Das machen Werbeblocker, andere Firefox Extensions, Internet-Security Tools, der Internet-Explorer (bei bestimmten Sicherheitseinstellungen) und sogar die neue Google Toolbar (die dafür viel Kritik einstecken musste). Allein: Greasemonkey ist die flexibleste und weitreichendste all dieser Anwendungen.

Wo liegt der Sinn?


Den HTML-Quelltext lokal an bestimmte Bedürfnsse anzupassen, hat zweifellos seinen Sinn. Wenn beispielsweise nicht-klickbare Webadressen automatisch in klickbare Links verwandelt werden ist das durchaus im Sinne der Usability für den Betrachter - auch wenn der Autor der Seite im Einzelfall konkrete Gründe haben kann, gerade hier keinen Link zu setzen. Und auch Workarounds für Bugs und Browserinkompatibilitäten sind zweifellos hilfreiche Anwendungen. Und wenn der Browser potenziell gefährliche Inhalte blockiert und aus dem Quelltext (temporär) entfernt, ist auch das nützlich - solange ich als Nutzer nicht bevormundet werde, sondern die blockierten Inhalte trotzdem aufrufen kann.

Usability-Verbesserung:
gut!

Geschäftsmodell-Eingriff:
problematisch!
Überhaupt sind alle Modifikationen auf der Nutzer-Seite durchaus gewünscht - wenn nicht, kann er die entsprechende Funktion ja problemlos ausschalten. Allerdings kann es durchaus sein, dass der Content-Anbieter gar nicht erfreut darüber ist.

Nun gut, wenn der aber doch Fehler auf seinen Seiten hat oder böswillig gefährliche Inhalte in die Seiten einbaut? In diesem Fall wird wohl jeder den Sinn der Modifikation einsehen. Leider aber sind die Möglichkeiten des Client-side Webpage Hackings nicht auf diese Fälle beschränkt. Sie können vielmehr die Geschäftsgrundlage des Anbieters zerstören oder den Webdesigner arbeitslos machen...

Und was ist das Problem?


Vielleicht finden Sie, das sei ein übertriebenes Horror-Szenario: Aber wenn das Konzept weiter um sich greift, dann könnten sich die Geschäftsmodelle vieler Websites in Luft auflösen. Werden zum Beispiel Google Ads automatisch ausgeblendet (und dafür gibt es bereits heute ein Greasemonkey-Skript), dann entgehen den Seitenbetreibern potenzielle Werbeerlöse. Schon heute kann man feststellen, dass ein großer Teil der Webnutzer Online-Werbung ausblendet - aber mit der freien Verfügbarkeit flexibel anpassbarer Werbeblocker-Lösungen könnte das Problem noch weiter zunehmen.

Auch könnten aggressive Greasemonkey-Plugins die Referrer-Codes für Partnerprogramm-Links, wie sie in den Links zu Amazon-Seiten integriert sind, entfernen oder gar durch andere Codes austauschen. Theoretisch wäre es sogar denkbar, dass dies ohne Wissen des Nutzers geschieht. Längst gibt es einige Services wie einen Amazon-Pricewatch per RSS, die sich allein aus den Partnerprogramm-Erlösen refinanzieren ... zumeist ohne Wissen der Käufer.

Und noch ein Beispiel: Die vielgescholtene Autolink-Funktion der Google Toolbar 3 (beta) verlinkt ISBN-Nummern automatisch mit der Detailseite zum Buch bei Amazon.com. Dabei unterscheidet sie nicht, auf welcher Website sich die ISBN befindet. So kann plötzlich ein anderer Online-Buch-Shop beim Betrachten durch den Anwender automatisch um Links zum großen Konkurrenten Amzon ergänzt werden. Kann das noch im Sinne des Anbieters sein?

Gefahr für Webdesigner?
In Zukunft könnte es zudem noch schwieriger für Webdesigner werden, Support für ihre Webseiten zu leisten. Schon heute ist es zum Teil problematisch, aus den rudimentären Fehlerbeschreibungen der Nutzer auf die Ursache zu schließen, wie wir bei eDings selbst immer wieder beobachten können. Wenn neue Fenster nicht geöffnet werden oder Funktionen einfach nicht ausgeführt werden, ist heute oft schnell ein Werbeblocker oder ein schlecht konfigurierter Browser verantwortlich. Zukünftig aber könnte es sein, dass der Nutzer mit einer modifizierten Seite arbeitet und das Problem durch die Modifikation auftritt, ohne dass der Webdesigner dies überhaupt ahnen kann. Spätestens dann, wenn Erweiterungen wie Greasemonkey populär werden und unbedarfte Nutzer zahlreiche user scripts installieren, deren Auswirkungen sie aber gar nicht durchschauen.

Und auch die Erweiterung von Anwendung um neue Features oder das Anbieten von kostenpflichtigen Premium-Diensten könnte zukünftig schwieriger werden: Für GMail, den noch im Beta-Test befindlichen E-Mail-Dienst von Google, existieren bereits Greasemonkey Scripts, die statische Suchfunktionen "nachrüsten", die der Betreiber so gar nicht vorgesehen hat. Auch für Google Maps stehen bereits Funktionserweiterungen bereit: Einfach das entsprechende Greasemonkey-Skript installieren und es wird immer ausgeführt, sobald die entsprechenden Seiten angesurft werden.

Die Auswirkungen für Anbieter und Webdesigner können gravierend sein: Niemand wird für eine Funktion zahlen, die bereits als kostenloses Skript Client-seitig nachgerüstet werden kann. Und der Designer steht schnell im Wettkampf mit Programmierern, die quasi seine Arbeit der Webseiten-Optimierung übernehmen - gerade für populäre Websites. Wenn zudem die Refinanzierung der Content-Angebote durch Online-Werbung und Affiliate-Programme zurückgeht, weil die Betrachter werbende Inhalte automatisch ausblenden lassen, könnte manches Web-Business gefährdet werden.

Die Zukunft: Kämpfen oder kooperieren?


Was wird die Zukunft bringen? Unzweifelhaft ist, dass die Nutzer von den angebotenen Möglichkeiten, die Seiteninhalte nach ihren Wünschen anzupassen, Gebrauch machen werden - sofern dies ohne großen Aufwand möglich ist. Greasemonkey ist ein Schritt in diese Richtung ... und vermutlich nicht der letzte.

Solange es keine akzeptierte Kennung z.B. in den Metatags der Webseiten gibt, die verdeutlicht, dass eine Client-seitige Modifikatin der Seite unerwünscht ist, und an die sich alle Tools halten, müssen Anbieter sich aktiv mit den auf sie zukommenden Problemen beschäftigen. Und dass eine solche Kennung kommt und verbindlich berücksichtigt wird, ist sehr unwahrscheinlich: Es würde Werbeblocker beispielsweise wertlos machen.

So bleibt für Anbieter: Sie können kämpfen und versuchen, sich gegen solche Modifikationsversuche zu schützen. Da alle bisherigen Ansätze auf dem HTML-Quelltext aufsetzen, könnte beispielsweise der Einsatz von Java und Flash dazu führen, dass die Ausblendung einzelner Inhalte (wie Werbung) deutlich erschwert wird. Auch die regelmäßige Veränderung des HTML-Quelltextes macht die vorhandenen user scripts wertlos, da sie nach bestimmten Mustern suchen und diese ersetzen. Analysiert der Webdesigner also die verfügbaren Webmonkey-Skripte, so kann er sie leicht aushebeln - allerdings riskiert er so den Frust der Nutzer, was in der Regel nicht gewünscht ist.

Die andere - und vermutlich bessere - Variante ist die der Kooperation: Warum nicht selbst Erweiterungen übernehmen, die Greasemonkey-Skripte überflüssig machen? Und für besondere Anwendungen könnte es durchaus sinnvoll sein, selbst Greasemonkey-Skripte anzubieten ... beispielsweise um die Accessability einer Seite für Nutzer mit bestimmten Behinderungen zu verbessern. Was die Unterminierung der Geschäftsmodelle betrifft, so muss das Modell den Nutzern verdeutlicht werden - und die Folgen, wenn diese Refinanzierung zusammenbricht. Zusätzlich kann in Einzelfällen wiederum Client-seitig mittels JavaScript geprüft werden, ob Partnerprogramm-IDs und Links noch unverändert sind.

Insgesamt gibt das "Client-side Webpage Hacking" den Nutzern ungeahnte Freiheiten im Umgang mit dem zur Verfügung gestellten Content. Diese Freiheiten können - wie so oft - zum allseitigen Vorteil eingesetzt aber auch geschäftsschädigend ausgenutzt werden. Hier sind auch die Programmierer der user scripts gefordert, verantwortungsvoll zu handeln. Es muss aber auch gesagt werden, dass die Möglichkeiten des Client-side Webpage Hackings begrenzt sind: Greasemonkey basiert darauf, die Seiteninhalte zu manipulieren - was sich nicht aus dem Quelltext ableiten lässt, kann auch Greasemonkey nicht anbieten. Zuküftig könnten aber durchaus auch Systeme entstehen, die die Inhalte verschiedener Webseiten, sogar potenziell von Anbieter, miteinander verknüpfen könnten.
von Markus Stolpmann • 2 Trackbacks

01.03.2005

Neuer Trend: Tagging - mit Vor- und Nachteilen

Aus den USA schwappt der neueste Weblog-Trend nach Deutschland. Tagging erlaubt die Verschlagwortung einzelner Weblog-Beiträge. Aggregatoren werten diese Tags aus und fassen alle Beiträge zu einem Schlagwort automatisch in einem Channel zusammen. Wer sich für ein Thema interessiert, braucht also nur noch die relevanten Tag-Channels zu beobachten und erfährt so automatisch, was zu diesem Thema geschrieben wird. Doch was sich spannend anhört, hat auch einige Nachteile ... und Tag-Spamming ist nicht weit.

Ein gravierender Nachteil im Web liegt darin, dass die meisten Inhalte nicht über Schlüsselworte, sondern nur Suchbegriffe erschlossen werden können. Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend: Bei Suchbegriffen kommt es darauf an, dass exakt die gesuchte Schreibweise verwendet wurde ... und die lässt sich häufig nur erraten.

Kleines Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach einer Ferienunterkunft im Hamburger Umland - wonach suchen Sie? "Hotel"? "Pension"? "Bed and Breakfast"? "Unterkunft"? Gar nicht so einfach, nicht wahr? Auch Webkataloge (als Gegenpart der Suchmaschinen) helfen nur bedingt weiter, da sie eine thematische Einordnung nur auf der obersten Ebene - also der Website selbst - nicht aber für einzelne Beiträge vorsehen. Wie also einzelne Nachrichten sinnvoll einordnen?

Verschlagwortung als Vorbild


Die systematische Verschlagwortung von Inhalten mit immer gleichen Schlüsselworten schafft hier Abhilfe - aber nur bei geschlossenen Systemen und entsprechender Disziplin sowie hohem Aufwand hinsichtlich der manuellen Verschlagwortung. Die automatische Verschlagwortung auf der anderen Seite steckt noch immer in den Kinderschuhen und ist nur dann erfolgreich, wenn die Dokumente und zu verschlagwortenden Beiträgen einem fest umrissenen Themengebiet zuzuordnen sind. Das ist aber im Web häufig nicht der Fall.

Nun aber hat dieses Prinzip das "öffentliche" Internet erreicht - und hier insbesondere die Weblogs. Verschiedene Aggregatoren ermöglichen ihren Nutzern eine manuelle Verschlagwortung von (fremden) Beiträgen, während Blogging-Software zunehmend Unterstützung anbietet, um eigene Beiträge zu verschlagworten. Und natürlich spricht man nicht von Verschlagwortung, sondern von Tagging.

Tagging als Modetrend


Dabei können dann die Nutzer von Aggregatoren wie Del.icio.us ("social bookmarks") oder Technorati, aber neuerdings auch Besucher beispielsweise von Blogg.de überprüfen, welche Beiträge zu den sie interessierenden Tags neu veröffentlich wurden. Und auch Dienste wie Flickr setzen auf Tagging und erlauben es den Nutzern, Fotos zu verschlagworten.

Mehr noch: per RSS-Reader kann man spezielle Feeds zu den Tags abonnieren, die einen interessieren ... und so bleibt man zu diesem Thema ständig auf dem Laufenden! Und für CMS wie Expression Engine gibt es Erweiterungen, mit denen lokal Tags in die Beiträge eingebaut werden, die auch von Technorati übernommen werden können. Damit rückt das semantische Web ein Stückchen näher - zumindest in der Theorie.

Prinzipiell unterscheidet man drei Varianten:
  • Die Tags werden von den Autoren der Beiträge festgelegt.
    Vorteil: Diese kennen ihren Beitrag und das thematische Umfeld am Besten, so dass die geeignetsten Tags verwendet werden können.
    Nachteil: Ein Beitrag kann auch unter anderen Tags für die Leser interessant sein oder die Leser finden die Tags-Auswahl unzutreffend.

  • Die Tags werden den Beiträgen von den Lesern zugeordnet.
    Vorteil: In der Regel hat der Leser kein wirtschaftliches Interesse an der Tag-Zuordnung. Die zugeordneten Tags sind so "objektiver".
    Nachteil: Ohne Anreizsystem werden neue Beiträge nur langsam mit Tags versehen. Eventuell läuft die Zuordnung den Interessen des Autors zuwider.

  • Kombinationen, bei denen Zuordnungen von Tags durch die Community angepasst und erweitert werden können.


Probleme im Detail


In der Praxis wirft das Tagging jedoch Probleme auf. Das Gravierendste: Niemand gibt vor, wie die Tags zu lauten haben. So findet man in einem einzigen System für Beiträge zu Expression Engine unter anderem die Tags "EE", "Expression Engine" und "expressionengine" -

tatsächlich wird man also nur einen Bruchteil der Informationen finden, wenn man nur einen Tag-Channel oder RSS-Feed beobachtet. Mittlerweile nutzen einige Autoren sogar alle drei Tags parallel für jeden ihrer Beiträge. Aber wenn man das Szenario weiter denkt, kann dies auch keine Lösung sein.

Tags erobern das Web unmerklich


Übrigens: Auch "social networking"-Software wie die openBC-Plattform setzt auf Tagging. Auch wenn es weniger auffällt. Hier werden alle Begriffe, die der Nutzer in seinem Profil verwendet, als Tags ausgewertet und so zu Suchbegriffen, die Gleichgesinnte auffinden helfen sollen. Und auch hier zeigt sich, dass die "demokratische" Verwendung von Tags und die fehlende Säuberung durch das System die Tags oft unbrauchbar machen.

Das fängt schon bei der Angabe der besuchten Hochschule oder des Arbeitgebers an: "Universität Kaiserslautern", "TU Kaiserslautern", "TU KL", "Uni KL" und anderes mehr sind alles gültige Angaben, die das Gleiche bezeichnen, aber zu ganz unterschiedlichen Suchergebnissen führen. Nicht einmal die Mitarbeiter ein und desselben Unternehmens finden sich so, wenn verschiedene Schreibweisen für die Unternehmensbezeichnung verwendet werden.

Fehlende Kontrollinstanz


Würde die Systeme Vorschläge für ähnlich-lautende Tags unterbreiten, könnte das dem Tag-Wildwuchs zwar ein wenig entgegen wirken, aber wirklich optimal können frei gewählte Tags nie funktionieren. Im Rahmen einer verschlagwortung von Unternehmensdokumenten haben wir mal nicht nur einen Verschlagwortungskatalog entwickelt, sondern auch ein umfangreiches Regelwerk, wie Schlagworte zu bilden sind und welche Genehmigungsprozesse einzuhalten sind, damit ein neues Schlagwort aufgenommen wird (was in der Theorie Auswirkungen auf alle bisherigen Verschlagwortungen haben konnte). Für ein freiwilliges manuelles Tagging sind solche Vorgaben natürlich ungeeignet.

Auch die automatische interne Zusammenfassung von Tags, indem die Groß-/Kleinschreibung und Leerzeichen in den Tags entfernt werden, löst das Problem nicht wirklich, wie unser obiges Beispiel verdeutlicht.

Noch problematischer: Wenn es keine Kontrollinstanz gibt, können Tags auch missbraucht werden. Es ist nicht festgelegt, welche und wieviele Tags für einen Beitrag erlaubt sind - so kann ein Autor seinen Beitrag mit zahllosen nutzlosen Tags versehen, nur um Besucher anzulocken. Tag-Spamming könnte daher zum nächsten ernstzunehmenden Problem werden. Zumindest solange Autoren selbst festlegen können, unter welchen Tags ihre Beiträge geführt werden. Leider verschiebt sich das Problem auch dann nur, wenn ncht die Autoren sondern die Leser über die Tags entscheiden. Hier könnte z.B. ein Konkurrent mutwillig der Wettbewerber manipulieren.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Monika Henzinger, seit 1999 Forschungsdirektorin bei Google. In einem FAZ-Interview gab sie als Hauptgrund, warum das semantische Netz nicht funktionieren kann und Suchmaschinen keine semantischen, sondern nur syntaktische Treffer liefern können, Spamming und so genannte "Suchmaschinen-Optimierer" an. Die gelieferten Meta-Informationen (ähnlich den hier vorgestellten Tags) können nicht automatisiert auf Korrektheit und Vollständigkeit überprüft werden:
[...] Einer großen Zukunftsvision, dem sogenannten semantischen Internet, gibt Henzinger aber keine große Chance. Für das semantische Internet müssen die Betreiber ihren Websites versteckte Informationen zufügen, in denen die Themen der Seite genauer festgelegt sind. "Wegen der Spammer wird es das semantische Internet nicht geben", sagt Henzinger voraus. Suchmaschinen-Spammer machen sich die Arbeitsweise der Suchalgorithmen zunutze, damit ihre Internetseiten möglichst weit oben in der Trefferliste erscheinen. Da in der Regel nur diese ersten Suchtreffer angeklickt werden, hat sich inzwischen eine ganze Industrie darauf spezialisiert, Internetseiten für Suchmaschinen zu "optimieren" - zu Lasten aller anderen Internetnutzer. "Wegen des Spams können wir nur den Worten trauen, die wirklich auf einer Internetseite erscheinen. Die Idee des semantischen Webs ist ja gerade, eine Seite mit semantischen Informationen anzureichern, die die Benutzer nicht sehen können".
[...] Überhaupt sei der Kampf gegen Suchmaschinen-Spam sehr ärgerlich: "Ich finde es sehr schade, daß diese Egoisten die Suchergebnisse zu ihrem Vorteil manipulieren und damit die Suchergebnisse für alle anderen Nutzer schlechter machen. Alle Suchmaschinen würden viel besser funktionieren, wenn es keinen Spam gebe", klagt Henzinger. [...]

So bleibt Tagging ein nettes Spielzeug, das in Kombination mit automatischer Suche und Verlinkung zu mehr Komfort bei bestimmten Anwendungen führen kann. Aber denken und suchen wird man auch in Zukunft selbst müssen. Und wenn man sich die Diskussionen um die Autolink-Funktionen der neuen Google Toolbar 3 (beta) anschaut, die u.a. Adressen und ISBN-Nummern auf Webseiten automatisch mit Links zu weiterführenden Informationen verknüpft, so sieht man, dass Tagging nicht immer gewünscht wird. Den ultimativen Supergau aber skizzierte kürzlich Sven Lenartz im Dr. Web Weblog: Ein Autotagging, dass alle Begriffe auf Webseiten automatisch zu den passenden eBay-Auktionen verlinkt.
von Markus Stolpmann • ein Trackback

25.02.2005

Bubbler will Web-Publishing und Blogging neu erfinden

Kennen Sie schon Bubbler? Nein? Dann verpassen Sie gerade eine neue "Revolution" im Online-Publishing! Das Silicon-Valley-Startup Five Across hat einen Service gestartet, der ... halten Sie sich fest ... Homepage-Tool, WYSIWYG-Editor, Drag-and-Drop-Interface, Weblog, Chat, Community, Collaboration- und Projekttool miteinander verheiratet und der es jedermann erlauben soll, nützliche Websites zu erstellen - ganz ohne HTML-Kenntnisse.

Das Ganze basiert auf einem gehosteten Service, der sich derzeit im öffentlichen Betatest befindet, zukünftig aber 4,95 US-$ pro Monat kosten soll. Um den Dienst zu nutzen, lädt sich der Nutzer eine Software herunter (derzeit für Windows und Mac OS erhältlich) und legt einen Bubbler.net-Account an. Über die Software werden die Inhalte eingepflegt und verwaltet, wobei sich Änderungen direkt auf die bei Bubbler.net gehosteten Webseiten auswirken.

Bubbler liegt das Konzept zugrunde, dass ausgehend von der Startseite des Nutzers (die automatisch angelegt wird, weitere Seiten hinzugefügt werden können. Alle Seiten haben dabei verschiedene Bereiche wie eine Linkliste sowie einen File-Bereich, aber auch einen Bereich für Fotos sowie einen für aktuelle Notizen. Wenn man so will, entspricht letzterer einem Weblog: jederzeit können zusätzliche Notizen mit einem WYSIWYG-Editor erstellt werden und erscheinen dann oben in diesem Bereich, während die bisherigen Notizen nach unten rutschen.

Bilddateien können einfach in das Bubbler-Programmfenster gezogen werden, werden dann automatisch auf den Server übertragen und ein Vorschaubild wird im Picture-Bereich der bearbeiteten Seite angelegt sowie mit der Originaldatei verlinkt. Ebenso einfach können Dateien zum Download angeboten werden: Einfach ins Bubbler-Fenster ziehen, das Programm sorget automatisch für Upload und Verlinkung an der richtigen Stelle. Zur Pflege der Linkliste ist etwas mehr Handarbeit nötig, aber auch diese wird dann automatisch verwaltet. Fast müßig zu erwähnen: Alle Inhalte können nachträglich bearbeitet, ergänzt oder gelöscht werden, wobei die Konsistenz der erzeugten Seiten jederzeit gewahrt bleibt.

Neben einfachen Weblog-Einträgen gibt es auch einen "Report"-Modus, der ein Zwischending aus Live-Blogging und Chat ermöglicht: Ein sehr einfaches Eingabefenster erlaubt die Eingabe kurzer Nachrichten, denen automatisch Nickname und Uhrzeit vorangestellt werden. Die Kurznachrichten erscheinen direkt nach dem Abschicken untereinander als einzelne Notiz (also chronologisch geordnet, während die verschiedenen Notizen Weblog-üblich umgekehrt chronologisch angeordnet sind. Eine Komentarfunktion gibt es allerdings (derzeit) nicht.

Was das System spannend machen könnte ist die integrierte Teamverwaltung: Ähnlich zu Blogger.com kann man Bekannte einladen und ihnen so ermöglichen, an einer oder mehreren Seiten mitzuarbeiten. Dementsprechend gibt es auch eine Benachrichtigungsfunktion für Teammitglieder, wenn sich der Inhalt einer Seite ändert. Und auch ein RSS-Feed lässt sich für die Seiten aktivieren, die übrigens auch mit Passwort geschützt werden können.

Diese Funktionen machen das System grundsätzlich für Zusammenarbeit (Collaboration) und Projektarbeit interessant. Allerdings wirkt alles doch eher auf Kids und Communities ausgerichtet und weniger auf Business-Kunden. Auch fehlt zumindest ein Kalender-Modul, und auch die Möglichkeit, Einträge "sticky" zu machen oder gegen unabsichtliche Änderungen zu schützen, habe ich vermisst. So interessant die Teamfunktionen generell sind, scheinen sie derzeit doch vor allem darauf abzuzielen, rasch Freunde und Bekannte einzuladen - für die dann nach 30 Tagen Gratisnutzung ebenfalls monatlich 4,95 US-$ fällig werden.

Der Output des Systems ist XHTML, tabellenfrei. Für jede Seite kann der Nutzer ein eigenes Layout festlegen, wobei er derzeit aus 13 Basislayouts wählen kann, die schlicht durch unterschiedliche Cascading Style Sheets (CSS) realisiert werden. Grundlage für die Funktionalität ist neben dem lokalen Client der sogenannte Bubbler-Server ... Details dazu gibt es in diesem Whitepaper (PDF).

Bottom line:
Bubbler bietet ein interessantes Konzept: Tatsächlich können Webseiten ohne HTML-Kenntnisse gepflegt werden ... und das sogar im Team. Im Detail wünscht man sich etliche zusätzliche Funktionen und kommt rasch auf eine Menge Ideen, wie das System erweiterbar wäre.

Five Across hat mit dem System gerade den DEMOgod Award 2005 für "The Fastest Full-Featured Demo in The West" gewonnen. Begründung der Jury: "The blogging tool was up and running in about two minutes."

Der zentrale Server und die furchtbaren, von Bubbler vergebenen URLs sind allerdings verbesserungswürdig. Interessanterweise kann das Setup-Programm auch nach einem lokalen Bubbler-Server im Intranet suchen, was vermuten lässt, dass das System auch als Ganzes an Organisationen vertrieben werden soll. Als Intranet-Lösung wäre Bubbler auch im B2B als Projekttool einsetzbar, wenn es geeignet weiterentwickelt werden würde. Wie sich die Plattform entwickelt, ist zweifellos spannend zu beobachten!
von Markus Stolpmann • keine Trackbacks

19.02.2005

Spielen mit der neuen Google Toolbar

Heute habe ich ein wenig mit der neuen Google Toolbar (Beta) herum gespielt ... die Features sind wirklich erstaunlich!

Der neue Spellchecker kann eingegebenen Text in Formularfelder automatisch überprüfen - nicht nur englische Texte, sondern auch deutsche, dänische, französische, italienische, spanische, portugisische, polnische, finnische und schwedische (habe ich irgendwas vergessen?). Zwar nicht narrensicher, aber ein nettes Feature.

Eine weitere nette Funktion ist der eingebaute "WordTranslator", der englische Begriffe in die genannten Sprachen übersetzen kann. Die Übersetzungen werden automatisch in einem Tooltip angezeigt, wenn die Maus über einem englischen Begriff platziert wird. Ein nützliches kleines Feature, auch wenn es spezialisierten Tools wie Babylon nicht ganz das Wasser reichen kann.


Auch neu und auch nützlich, wenn auch weniger hierzulande: Die sogenannte "Autolink"-Funktion. Dabei wird die geladene Webseite auf bestimmte Inhalte untersucht, die dann mit weiterführenden Links versehen werden können. Diese Links kann man auch gezielt über die Toolbar abrufen.

Hört sich ein wenig sperrig an? Zugegeben: Erst wenn man es ausprobiert wird es verständlicher. Findet Google beispielsweise eine ISBN-Nummer auf einer Seite, so wird ein Link zu weiterführenden Buchinformationen angeboten. Das heisst in diesem Fall ein Link auf die Produktseite zum Buch bei Amazon.com. Findet die Toolbar Adressen (innerhalb der USA), so wird ein Link zu Google Maps oder wahlweise auch MapQuest oder Yahoo! Map angeboten, der direkt einen Kartenausschnitt zur gewünschen Adresse liefert.

Google erklärt die Autolink-Funktion so:

AutoLink will link a U.S. street address to a map of that address or the tracking number of a package to a status page for your package. AutoLink also recognizes car VIN numbers and book ISBN numbers.

Bisher ist die Autolink-Funktion also für deutsche Nutzer mehr ein Spielzeug als ein nützliches Feature - aber das könnte sich ändern, wenn auch europäische Adressen erkannt werden oder ISBN-Nummern (vielleicht wahlweise) auf Amazon.de zeigen.

Die Autolink-Funktion ist aber auch etwas erschreckend: So könnte Google über die Amazon-Links zukünftig Partnerprovisionen kassieren, wenn darüber Verkäufe zustande kommen. Tatsächlich werden die Inhalte der Webseiten lokal durch die Google Toolbar verändert - und im Fall von zusätzlichen Amazon-Links könnte das manchmal gar nicht im Sinne des Anbieters sein - zum Beispiel, wenn ihm dadurch Verkaufsprovisionen entgehen.

Und auch ein anderer Gedanke kommt in den Sinn: Was passiert eigentlich mit den ganzen gesammelten Daten? Google weiß nun also nicht mehr nur, welche Seiten ich besuche (weil ja der Pagerank angezeigt werden muss) und nach welchen Begriffen ich suche. Es könnte zukünftig auch gespeichert werden, welche Adressen (und damit Orte/Anbieter/...) mich interessierten, welche Bücher ich mir näher angeschaut habe und bei welchen englischsprachigen Begriffen ich gezögert und mir die Übersetzung habe anzeigen lassen. Ja: sogar meine Eingaben in Formularfelder (also auch alles, was ich online schreibe, selbst wenn es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist) könnten irgendwo gespeichert werden. Und die Integration weiterer nützlicher und datenintensiver Dienste in die Toolbar ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Nein - ich bin nicht paranoid ... und ich weiß, wie schwer es ist, aus solchen Daten wirklich verwertbare Informationen und Profile abzuleiten. Aber ich erinnere mich auch noch an die Diskussionen und Aufschreie, als Microsoft eine ähnliche "SmartTag"-Funktion in den Internet Explorer einbauen wollte und viel Kritik einstecken musste. Irgendwie habe ich auch noch etwas von einem Patent auf SmartTags im Hinterkopf ... aber ich kann mich irren.

von Markus Stolpmann • keine Trackbacks

06.02.2005

Expression Engine Review

Expression Engine von EllisLab Inc.Einige Leser haben gefragt, warum wir gerade auf ExpressionEngine umgestiegen sind ... und was die Besonderheiten dieser Lösung sind. Hier also ein kleiner Überblick über das CMS und seine Besonderheiten.

Hintergrund

Zunächst ein wenig Historie: eDings nutzte bisher Sunlog, dessen Weiterentwicklung aber irgendwann stockte. In den vergangenen Jahren haben wir zudem in den unterschiedlichsten Projekten zahlreiche Weblog- und CMS-Lösungen genutzt bzw. evaluiert. Darunter auch pMachine Pro von EllisLab Inc., ein zwar kostenpflichtiges, aber leistungsfähiges Mini-CMS. pMachine erlaubt bis zu sechs unterschiedliche Eingabefelder, kann Foren und Mailinglisten verwalten und hat eine Mitgliederverwaltung.

Vor etwa einem Jahr kündigte Rick Ellis, der Inhaber und Chefentwickler von EllisLab Inc., dann ein neues, noch wesentlich leistungsfähigeres CMS an: ExpressionEngine. Quasi der Nachfolger von pMachine kann ExpressionEngine beliebig viele Eingabefelder in beliebig vielen Weblogs verwalten, hat ein leistungsfähiges Template-System, das auch den Einsatz von PHP innerhalb der Templates erlaubt ... und profitiert zudem von einem Plugin- und Modul-Konzept, über das das System fast beliebig erweitert werden kann. So können mit einer ExpressionEngine-Installation parallel ganz verschiedene Online-Auftritte verwaltet und gepflegt werden.

ExpressionEngine: umfangreiche Funktionen und hohe Flexibilität

Mittlerweile besitzt ExpressionEngine ein Gallery-Modul (mit dem man beispielsweise eigene Fotos verwalten und präsentieren kann) sowie eine Moblogging-Erweiterung (über die man per Mobiltelefon Beiträge, Fotos und Attachments online stellen kann, wertet Referrer und Zugriffsstatistiken aus und vieles andere mehr. Leistungsfähige Funktionen, um Kommentar- und Trackback-Spammer in die Schranken zu weisen, verstehen sich fast schon von selbst. Dazu gehören Captchas, wie sie hier bei der Kommentarfunktion eingesetzt werden, Black- und Whitelists, die auf verschiedenen Parametern fußen, die Möglichkeit, Kommentare und Trackbacks zu moderieren usw.

Aufwändige Webpräsenzen profitieren nicht nur davon, dass die zu erstellenden Templates im Grunde HTML-Seiten entsprechen, in die EE-spezifische Tags eingebettet werden, welche die relevanten Informationen aus der Datenbank extrahieren und wunschgemäß aufbereiten: Ein mehrstufiges Caching-System reduziert auch die Zahl der Datenbank-Abfragen und die Ladezeit der Webseiten.

Für eDings war aber auch wichtig, dass die bisherigen Beiträge übernommen werden konnten (auch wenn in diesem Fall ein eigener Importfilter geschrieben werden musste), dass die alten URLs Gültigkeit behielten und dass ExpressionEngine sowohl eine lokale Suche als auch ein leistungsfähiges Archivsystem und eine automatische Verteilung umfangreicher Informationen auf mehrere Seiten (Paginierung) besitzt. Das System kann zudem eine interne Mailingliste samt Double-Opt-In verwalten, die nunmehr für den eDings 2.0 Newsletter eingesetzt wird.

Eignung und Kosten

ExpressionEngine eignet sich sehr gut für Multi-Autoren-Umgebungen und kann auch so angepasst werden, dass einfache Workflow-Prozesse unterstützt werden. Für die Administrator-Oberfläche und die Systemmeldungen können zahlreiche Sprachen eingestellt werden, eigene Anpassungen sind möglich. Auch die Rechte der einzelnen Nutzer können gezielt angepasst werden, so dass ein Redakteur nicht aus Versehen Templates verändern oder zentrale Systemeinstellungen modifizieren kann. Bei Bedarf kann das System Sorge dafür tragen, dass bestimmte Nutzer nur ihre eigenen oder auch alle Beiträge in einem oder mehreren Bereichen bearbeiten kann.

Die Mitgliederverwaltung, die bei eDings derzeit nicht zum Einsatz kommt, erlaubt den Aufbau von Intranets bzw. Extranets sowie geschlossenen Portalen. ExpressionEngine erzeugt äußerst Suchmaschinen-freundliche URLs - oft ein Manko vergleichbarer Systeme. Im Vergleich zu Typo3 u.ä. sind die Systemanforderungen und die Systemkomplexität geringer.

Zugegeben: Mit 199,95 US-Dollar für die Commercial License bzw. 149,95 US-Dolar für die Non-Commercial License ist das System als simples Weblog-System ziemlich teuer. Aber das ist auch nicht die Liga, in der ExpressionEngine spielen will. Vielmehr handelt es sich um ein ausgewachsenes CMS, das um ständig neue Funktionalitäten erweitert werden kann - und da ist der Preis mehr als gerechtfertigt. In den Folgejahren werden dann Supportgebühren von derzeit etwa 40 US-Dollar jährlich für die Commercial und 20 US-Dollar für die Non-Commercial License erhoben. Es gibt auch ein Competitive-Upgrade-Angebot für 99 US-Dollar.

Übrigens wurde kürzlich die Weiterentwicklung von pMachine Pro zugunsten von ExpressionEngine eingestellt. Damit ist pMachine Pro jetzt kostenlos erhältlich, allerdings ist auch nicht sicher gestellt, dass bei auftretenden Bedrohungen (die im Internet leider immer häufiger werden) rasch Abhilfe gefunden werden kann.

Expression Engine von EllisLab Inc.Wer die Einarbeitung nicht scheut, bekommt mit ExpressionEngine ein CMS, das weit mehr als nur Weblogs verwalten kann und eine enorme Flexibilität aufweist. In vielen Bereichen kann das System durchaus mit ausgewachsenen Lösungen mithalten, die zum Teil ein Vielfaches kosten. Allerdings sollte man leidlich gut Englisch sprechen können, da der Support ausschließlich über englischsprachige Foren läuft. Auch ist ein gutes Verständnis von HTML, CSS und PHP vorteilhaft - out-of-the-box wird man die Flexibilität zunächst vermissen und die zur Verfügung stehende Dokumentation spricht eher Techniker als Laien an. Allerdings wird derzeit daran gearbeitet, einige Tutorials für Einsteiger zu entwickeln.

Für uns war die bereits angesprochene Flexibilität ausschlaggebend, zudem die aktive Community und der gute, rasche (englischsprachige) Support. Damit ist eine gewisse Zukunftsicherheit gegeben, zumal der Relaunch von Online-Auftritten auf eine neue Plattform mit viel Aufwand verbunden ist.

ExpressionEngine erlaubt es uns, die Zahl der im Einsatz befindlichen Tools zu reduzieren ... und damit den Pflege- und Administrationsaufwand zu senken. Dass wir uns für den Relaunch von eDings jedoch fast ein Jahr seit Verfügbarkeit von ExpressionEngine Zeit gelassen haben, hat auch seinen Grund: Wir haben das System zunächst intern auf Herz und Nieren getestet - auch im Vergleich zu anderen Systemen. Hatte die Version 1.0 noch zahlreiche Eigenarten, so ist die mittlerweile vorliegende Version 1.2.1 sehr stabil und zuverlässig.

Derzeit fehlen ExpressionEngine vor allem ein Forum-Modul (das sich aber in der Entwicklung befindet) und die Möglichkeit, mehrere Mailinglisten zu verwalten. Diese Funktionalität stand in pMachine Pro zur Verfügung. Desweiteren wurde immer wieder eine leistungsfähigere Rechtevergabe für Mitglieder gewünscht, ein (voraussichtlich kostenpflichtiges) E-Commerce-System wurde ebenfalls mehrfach angedeutet.

Bottom Line

Die größten "nicht-fassbaren" Vorteile des System: Engagierte Entwickler, hervorragender Support und eine aktive Community, die selbst Erweiterungen und Designs bereitstellt.
Die größten Nachteile (subjektiv): Eine fehlende Roadmap zu den geplanten Features gepaart mit manchmal unglücklicher Unternehmenskommunikation hinsichtlich der weiteren Entwicklung sowie Mängel bei der Dokumentation (die eher ein Reference Manual ist als ein Handbuch).

BTW: Benötigen Sie deutschsprachige Hilfe bei der Umsetzung Ihres Vorhabens mit ExpressionEngine? Wir beraten und unterstützen Sie gerne. Anfragen bitte über das Kontaktformular.
von Markus Stolpmann • keine Trackbacks

02.02.2005

Gütesiegel für barrierefreie Websites?

Eine einheitliche Qualitätskennzeichnung für barrierefreie Internetseiten? Hört sich zunächst doch gar nicht schlecht an. Aber in der Praxis stellen sich viele Fragen und es bleibt das Gefühl, dass es hier mehr um Kommerz als um Nutzwert geht.



Intern.de berichtet über einen Streit zwischen dem Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI) und dem Barriere Kompass. Beide Organisationen wollen eigentlich barrierefreies Webdesign fördern und so Behinderten den Zugang zu Online-Informationen erleichtern. Doch nun scheint man beim AbI eine einheitliche Qualitätskennzeichnung für barrierefreie Internetseiten zu forcieren, was eine kostenpflichtige Zertifizierung bedeuten würde.

Für eine solche Zertifizierung braucht es dann einerseits Geld (und vermutlich nicht wenig), andererseits klare Richtlinien, was Barrierefreiheit laut Kennzeichnung denn eigentlich bedeutet. Und genau hier setzt die Kritik des Barriere Kompass an: Man fürchtet, dass objektive Richtlinien nicht bestehen und durch eine Zertifizierung Behinderte mit bestimmten Behinderungen anderen gegenüber bevorzugt werden könnten. Zudem würden die Kosten für eine solche Zertifizierung (die vom Seitenbetreiber oder seiner Agentur zu zahlen sind) kleine Agenturen und Online-Anbieter benachteiligen. Diese aber sind es häufig, die besonderes Engagement bei der Gestaltung barrierefreier Webseiten an den Tag legen.

Die Kritik ist sicher nicht von der Hand zu weisen - zumal die Zielgruppe von vielen Online-Anbietern  völlig vernachlässigt wird.  Und natürlich gibt es viele unterschiedliche Behinderungen, die ganz verschiedenen Lösungswegen bei der Seitengestaltung bedürfen: Jemand mit starker Sehbehinderung braucht andere Features als jemand mit motorischen Defiziten. Und wer rot-grün-blind ist, dem hilft es auch nicht, wenn er die Schriftgröße auf der Seite beliebig vergrößern kann, nicht aber die Farbgestaltung anpassen...

Insgesamt erinnert mich der Ruf nach Zertifizierung an die Gütesiegel für geprüfte Online-Shops, die vor Jahren aus dem Boden sprossen. Kaum jemand wusste, was eigentlich geprüft und zertifiziert wurde ... die Gütesiegel  waren mehr  Marketing als hilfreiches Kriterium für Online-Kunden. Und gerade kleinere Shops verzichteten auf die Zertifizierung als Kostengründen. Den größten Nutzen aber hatten die Zertifizierungsstellen, zumal die Gütesiegel (kostenpflichtig) jedes Jahr erneuert werden sollten.

Seit dieser Zeit stehe ich solchen Zertifizierungen skeptisch gegenüber ... und es gab zahlreiche Bemühungen, alles und jedes zu zertifizieren - natürlich zum Wohl des Kunden. Nach Gütesiegeln für gute Online-Shops, seriöses E-Mail-Marketing, korrektes Datensammeln nun also behindertengerechtes Webdesign? Von mir aus. Aber dann bitte auf freiwilliger Basis und kostenlos oder höchstens zu Selbstkosten.

Aber vermutlich ist dieser Wunsch zu fromm ... schließlich schaffen es findige Unternehmer, aus allem Geld zu schlagen. Intern.de schreibt dazu:

Der Informatiker Wolfgang Wiese (XWolf) dazu in seinem Blog: "Mir scheint, die Kommerzialisierung des Produkts 'Barrierefreiheit' ist nunmehr in vollem Gange". Und ein Produkt muss kostenseitig auf Stromlinie gebracht werden. Das geht in diesem Fall am besten, wenn man sich idealistischer Vorstellungen entledigt und samt ihrer Vertreter über Bord wirft.

Hoffentlich nicht!

von Markus Stolpmann • keine Trackbacks

01.02.2005

Mehr Zeit für das Wesentliche, mehr Lebensqualität

Die Selbstorganisation zu optimieren und die vorhandene Zeit sinnvoll zu nützen ist das Ziel vieler Menschen. Doch oft bleibt es bei guten Vorsätzen und die ambitionierten Anläufe versanden nach wenigen Tagen wieder. Wie bekommen Sie Ihr Zeitmanagement in den Griff? Lothar J. Seiwert, „Deutschlands tonangebender Zeitmanagement-Experte“ (Focus), hat einige gute Tipps parat.




Lesen Sie die ganze Story...
von Karina Matejcek • keine Trackbacks

01.06.2004

Amazon - Abstieg des einstigen Publikumslieblings

Die Meldung des Harenberg Buchreports war sogar heise online eine Meldung wert: Amazon.de listet Diogenes-Bücher aus! Aber tatsächlich handelt es sich nur um einen weiteren Höhepunkt, der die Arroganz des Online-Anbieters belegt...
Lesen Sie die ganze Story...
von Markus Stolpmann • keine Trackbacks
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